Zertifizierungsplakette in der oberen Ecke einer geöffneten Tresortür

EN 1047-1: So schützen Datensicherungsschränke Ihre Daten vor Feuer

Was die Norm bedeutet und welche Güteklasse Sie wirklich brauchen

Die Backup-Bänder liegen im Schrank, der Serverraum ist klimatisiert, die IT-Sicherheit scheint gewährleistet. Ein Kabelbrand im Nachbarbüro kann diese Sicherheit innerhalb von Minuten zunichtemachen. Ein Datensicherungsschrank nach EN 1047-1 ist darauf ausgelegt, genau dieses Szenario zu überstehen. Die Norm legt fest, wie lange der Schrank Temperaturen von über 1.000 Grad standhalten muss und wie warm es im Inneren maximal werden darf.

Laut dem Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung (IFS) ist Elektrizität die häufigste Brandursache in Deutschland. Für Unternehmen kann ein solcher Brand existenzbedrohend sein: Rund 43 Prozent der betroffenen Betriebe melden kurz nach einem Großbrand Insolvenz an. Wer sensible Daten schützen will, braucht mehr als einen Schrank mit der Aufschrift „feuerfest“.

Das Wichtigste in Kürze

  • EN 1047-1: Europäische Norm, die Anforderungen und Prüfverfahren für den Feuerschutz von Datensicherungsschränken definiert.
  • Güteklassen: P für Papier (max. 170°C), D für Datenträger (max. 70°C) und DIS für empfindliche Medien (max. 50°C Innentemperatur).
  • Beflammungszeiten: S 60 (60 Minuten) oder S 120 (120 Minuten) bei Außentemperaturen bis 1.090°C.
  • Zertifizierung: Nur Schränke mit ECB-S- oder VdS-Zertifikat erfüllen die Norm nachweislich.
  • Fachberatung: Die richtige Güteklasse hängt von Ihren Speichermedien und Versicherungsanforderungen ab. Sprechen Sie uns an für eine individuelle Bedarfsanalyse.
Zertifizierungsplakette in der oberen Ecke einer geöffneten Tresortür

Die Zertifizierungsplakette auf der Innenseite der Tür ist der Nachweis für eine bestandene Prüfung nach EN 1047-1. Fehlt sie, handelt es sich nicht um einen normgerecht geprüften Datensicherungsschrank.

Was ist die EN 1047-1?

Die EN 1047-1 ist eine europäische Norm, die verbindliche Anforderungen an den Feuerschutz von Datensicherungsschränken festlegt. Dabei werden sowohl die Prüfverfahren als auch die Klassifizierung der Schränke nach ihrer Schutzwirkung definiert. Ein zertifizierter Schrank hat unter kontrollierten Bedingungen bewiesen, dass er seinen Inhalt zuverlässig vor Feuer und Hitze schützt.

Die Norm unterscheidet sich grundlegend von der häufig zitierten DIN 4102. Diese beschreibt zwar das Brandverhalten von Baustoffen, beinhaltet aber weder eine Prüfung noch eine Zertifizierung für Tresore. Ein Schrank mit dem Hinweis „feuerfest nach DIN 4102“ bietet daher keinen definierten Schutz für den Inhalt. Auch die EN 15659 für sogenannte Light Fire Safes erfüllt geringere Anforderungen. Wer echten Feuerschutz für Datenträger benötigt, sollte zwingend auf die Zertifizierung nach EN 1047-1 achten.

Die Güteklassen im Überblick

Das Regelwerk definiert drei Güteklassen, die sich nach dem zu schützenden Inhalt richten. Entscheidend ist die maximal zulässige Temperatur im Inneren des Schranks während und nach dem Brand. Je empfindlicher das Speichermedium, desto niedriger muss diese Grenztemperatur bleiben.

GüteklasseSchutz fürmax. Innentemperaturmax. Luftfeuchtigkeit
PPapierdokumente170°C85%
DDatenträger70°C85%
DISEmpfindliche Medien50°C85%

Güteklasse P: Schutz für Papierdokumente

Die Güteklasse P schützt hitzeempfindliche Papierdokumente wie Verträge, Urkunden oder Akten. Herkömmliches Schreibpapier entzündet sich erst bei Temperaturen um 175°C. Ein Schrank der Klasse S 120 P hält den Innenraum also zwei Stunden lang unter dieser kritischen Grenze.

Güteklasse D: Schutz für Datenträger

Für magnetische und optische Datenträger wie Magnetbänder, Festplatten, CDs und DVDs ist die Güteklasse D vorgesehen. Diese Medien vertragen Temperaturen bis maximal 70°C, bevor irreversible Schäden auftreten können. Auch die Luftfeuchtigkeit spielt eine Rolle, da Feuchtigkeit die Oberflächen der Datenträger angreifen kann.

Güteklasse DIS: Schutz für empfindliche Medien

Den höchsten Schutz bietet die Güteklasse DIS. Sie richtet sich an besonders temperaturempfindliche Speichermedien. Die Bezeichnung leitet sich von „Disketten“ ab, umfasst heute aber auch USB-Sticks, SSDs und andere moderne Speicher. Die maximal zulässige Innentemperatur beträgt hier nur 50°C.

Verschiedene Datenträger wie LTO-Bänder, Festplatten, USB-Sticks und CDs auf einem Schreibtisch angeordnet

Verschiedene Speichermedien erfordern unterschiedliche Schutzklassen: Während Papier bis 170 Grad standhält, nehmen digitale Datenträger bereits ab 50 Grad irreversiblen Schaden.

Das Prüfverfahren nach EN 1047-1

Datensicherungsschränke nach EN 1047-1 durchlaufen ein mehrstufiges Prüfverfahren, das reale Brandbedingungen simuliert. Die Prüfungen finden in spezialisierten Instituten wie dem MPA Braunschweig statt und werden von Zertifizierungsstellen wie der ECB-S oder dem VdS überwacht.

Die Brandprüfung setzt den Schrank Temperaturen bis 1.090°C aus. Die Beflammungszeit beträgt je nach Klassifizierung 60 oder 120 Minuten. Anschließend folgt eine Abkühlphase von bis zu 24 Stunden, in der die Temperatur im Inneren weiter gemessen wird. Denn nach dem Löschen eines Brandes steigt die Innentemperatur oft noch weiter an.

Zusätzlich müssen Datensicherungsschränke eine Sturzprüfung bestehen. Die Prüfer lassen den Schrank aus 9,15 Metern Höhe fallen, um den Einsturz einer Geschossdecke zu simulieren. Nur wenn der Schrank nach dem Sturz intakt bleibt und sich mit einfachen Werkzeugen öffnen lässt, erhält er das Zertifikat. Die eingelagerten Testmedien müssen nach der gesamten Prozedur noch lesbar sein.

Praxistipp:
Stellen Sie den Datensicherungsschrank möglichst in einem anderen Brandabschnitt als Ihren Server auf. So gewinnen Sie im Ernstfall wertvolle Zeit, selbst wenn die Feuerwehr länger braucht. Die Beflammungszeit S 120 bietet hier einen deutlich größeren Puffer als S 60.

Verschiedene Backup-Medien wie LTO-Bänder und Festplatten ordentlich in einem Datensicherungsschrank verstaut

Moderne Speichermedien wie LTO-Bänder, SSDs und USB-Sticks sind temperaturempfindlich. Die Güteklasse D begrenzt die Innentemperatur auf maximal 50 Grad, die Klasse DIS sogar auf nur 30 Grad.

Welche Güteklasse brauchen Sie?

Die Wahl der richtigen Güteklasse hängt davon ab, was Sie schützen möchten. Für reine Papierarchive genügt die Güteklasse P. Sobald digitale Datenträger ins Spiel kommen, wird es komplexer. Moderne LTO-Magnetbänder, wie sie für Backups großer Datenmengen verwendet werden, sind sehr temperaturempfindlich. Hier ist mindestens die Güteklasse DIS erforderlich.

Bei der Auswahl fragen wir in der Beratung immer zuerst: Was genau soll geschützt werden? Ein Steuerberater mit Papierakten und einigen USB-Sticks braucht eine andere Lösung als ein IT-Dienstleister mit LTO-Bändern. Die Herstellerangaben der Speichermedien geben Aufschluss darüber, welche Temperaturen das Medium verträgt. Im Zweifel ist die höhere Güteklasse die sicherere Wahl.

Für Unternehmen, die sowohl Papierdokumente als auch Datenträger schützen möchten, gibt es sogenannte Duplexschränke. Diese kombinieren einen Außenschrank der Güteklasse P mit einem integrierten Innenfach der Güteklasse DIS. So lassen sich beide Anforderungen in einem Schrank erfüllen, ohne Kompromisse beim Schutz einzugehen.

Geöffneter Datensicherungsschrank mit Backup-Bändern in einem modernen Serverraum

Ein nach EN 1047-1 zertifizierter Datensicherungsschrank schützt sensible Backup-Medien vor Feuer und hält die Innentemperatur selbst bei über 1.000 Grad Außentemperatur unter der kritischen Grenze.

Typische Fehler beim Kauf

In der Beratung erleben wir häufig, dass Unternehmen einen Schrank besitzen, der keinen echten Feuerschutz bietet. Der häufigste Fehler: Die Verwechslung von Marketingbegriffen wie „feuerfest“ oder „feuerbeständig“ mit einer tatsächlichen Zertifizierung nach EN 1047-1. Nur ein Schrank mit ECB-S- oder VdS-Plakette hat das normierte Prüfverfahren durchlaufen.

Ein weiterer typischer Fehler ist die Wahl der falschen Güteklasse. Wer einen Schrank der Klasse P kauft, um darin USB-Sticks oder Backup-Festplatten zu lagern, riskiert den Totalverlust. Bei 100°C Innentemperatur sind digitale Datenträger längst zerstört, obwohl der Schrank seine Spezifikation formal erfüllt. Die Versicherung wird in diesem Fall keinen Ersatz leisten.

Auch der Aufstellort wird oft unterschätzt. Ein Datensicherungsschrank, der direkt neben dem Server steht, befindet sich im selben Brandabschnitt. Brennt der Server, ist der Schrank von Anfang an der vollen Hitze ausgesetzt. Besser ist ein Standort in einem separaten Raum oder zumindest auf der anderen Gebäudeseite.

Praxistipp:
Prüfen Sie bei einem vorhandenen Schrank die Plakette auf der Innenseite der Tür. Dort finden Sie die Angaben zur Güteklasse und zur Zertifizierungsstelle. Fehlt diese Plakette oder steht dort nur „DIN 4102“, handelt es sich nicht um einen nach EN 1047-1 geprüften Datensicherungsschrank.

Haben Sie Fragen? Wir sind für Sie da.

Versicherung und Zertifizierung

Versicherungen erkennen für die Aufbewahrung von Datenträgern in der Regel nur Schränke an, die nach EN 1047-1 zertifiziert sind. Die Zertifizierung erfolgt durch unabhängige Stellen wie die ECB-S (European Certification Body) oder den VdS (Vertrauen durch Sicherheit), eine Tochter des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft. Beide Institutionen überwachen nicht nur die Typprüfung, sondern auch die laufende Fertigung beim Hersteller.

Die Versicherungssummen für den Inhalt hängen von der Güteklasse und dem Widerstandsgrad gegen Einbruch ab. Ein Datensicherungsschrank mit S 120 DIS und Widerstandsgrad I nach EN 1143-1 ist beispielsweise gewerblich bis etwa 20.000 Euro versicherbar. Mit über 40 Jahren Erfahrung in der Tresorbranche beraten wir Sie gerne zur passenden Kombination aus Feuerschutz und Einbruchsicherheit für Ihre Anforderungen.

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Häufige Fragen

Reicht ein Schrank mit „feuerfest“-Label für meine Backup-Medien?

Nicht unbedingt. Entscheidend ist, ob der Schrank tatsächlich nach EN 1047-1 zertifiziert ist. Der Begriff „feuerfest“ ist nicht geschützt und sagt nichts über die tatsächliche Schutzwirkung aus. Nur Schränke mit einer ECB-S- oder VdS-Plakette haben das genormte Prüfverfahren durchlaufen.

Achten Sie auf die konkrete Angabe der Güteklasse, zum Beispiel „S 120 DIS nach EN 1047-1“. Fehlt diese Angabe oder steht nur „DIN 4102“, bietet der Schrank keinen definierten Schutz für digitale Datenträger. Im Schadensfall kann die Versicherung die Leistung verweigern.

Was ist der Unterschied zwischen S 60 und S 120?

Die Zahl gibt die Beflammungszeit in Minuten an. Ein Schrank mit S 60 wurde 60 Minuten lang bei Temperaturen bis 1.090°C geprüft, ein Schrank mit S 120 hält dieser Belastung 120 Minuten stand. Die längere Beflammungszeit bietet einen größeren Sicherheitspuffer.

Die Antwort richtet sich nach Ihrer individuellen Situation: Wie schnell kann die Feuerwehr vor Ort sein? Befindet sich der Schrank in einem eigenen Brandabschnitt? Wie kritisch sind die gespeicherten Daten? Für unternehmenskritische Backups empfehlen wir grundsätzlich S 120.

Kann ich Papier und Datenträger im selben Schrank aufbewahren?

Ja, mit einem sogenannten Duplexschrank ist das möglich. Diese Schränke kombinieren einen Außenbereich der Güteklasse P mit einem integrierten Innenfach der Güteklasse D oder DIS. So sind Papierdokumente und digitale Medien jeweils optimal geschützt.

Alternativ können Sie einen Schrank der Güteklasse DIS wählen und dort sowohl Papier als auch Datenträger lagern. Die niedrigere Grenztemperatur schadet Papierdokumenten nicht. Allerdings sind reine DIS-Schränke oft kompakter und bieten weniger Platz für umfangreiche Aktenbestände.

Wie oft muss ein Datensicherungsschrank gewartet werden?

Die Hersteller empfehlen in der Regel eine jährliche Sichtprüfung der Dichtungen und des Schließmechanismus. Die Dichtungen sind entscheidend für den Schutz vor Löschwasser und Brandgasen. Beschädigte oder verhärtete Dichtungen sollten zeitnah ausgetauscht werden.

Bei elektronischen Schlössern ist zusätzlich der regelmäßige Batteriewechsel zu beachten. Wir empfehlen, den Wartungszustand im Rahmen einer jährlichen Sicherheitsbegehung zu dokumentieren. So haben Sie im Schadensfall einen Nachweis gegenüber der Versicherung.

Über Zirotec Tresore

Die Inhalte dieses Artikels basieren auf über 40 Jahren Praxiserfahrung im Tresor-Fachhandel und Tresorbau. Als Spezialanbieter für Gewerbekunden beraten wir täglich Apotheken, Banken, Juweliere und Unternehmen zu versicherungskonformen Sicherheitslösungen. Unser Wissen kommt aus der täglichen Arbeit mit Tresoren, Wertschutzschränken und Waffenschränken: von der Beratung über die Montage bis zur Notöffnung, Transport und Entsorgung.